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Meisterwerke der Weltliteratur. Nicht.

19 Oct

Twilight seriesZur Weltliteratur werden Werke gezählt, die über nationale und regionale Grenzen hinweg große Verbreitung gefunden haben und die gleichzeitig als für die Weltbevölkerung bedeutsam erachtet werden.  […] Internationale Verbreitung allein ist keine hinreichende Bedingung für die Zuordnung zur Weltliteratur. Ausschlaggebend sind ein beispielhafter künstlerischer Wert und der Einfluss des jeweiligen Werkes auf die Entwicklung der Literatur(en) der Welt.
Quelle: Wikipedia

Damit wäre dann schon mal geklärt, worum es hier jetzt nicht geht. Stattdessen muss ich doch auch mal meinen Senf zur Twilight-Reihe loswerden. Auf jedem zweiten Blog den ich zur Zeit lese (und dessen Autor eine Frau ist), schlagen momentan die Wellen der Begeisterung hoch. New Moon, die Verfilmung des zweiten Teils der Twilight-Saga, kommt nächsten Monat in die Kinos. Zeit genug, um sich ganz allmählich in einen Zustand freudiger Erwartung bis euphorischer Hysterie reinzusteigern. Davon sind offenbar ausnahmslos alle Frauen in meinem Bekanntenkreis betroffen.

Alle. Außer. Mir.

Doch, klar werde ich mir den Film irgendwann ansehen. Ein paar Wochen nachdem er auf DVD erschienen ist und ich mal wieder in der Videothek stehe, auf der Suche nach einem Film, den ich noch nicht kenne und der nicht komplett unterirdisch ist, dann ist vermutlich die Zeit für New Moon gekommen. Schliesslich habe ich ja auch die Bücher gelesen. Aber irgendwie ist dabei der Virus, der den überwiegenden Teil der weiblichen Bevölkerung befallen hat, spurlos an mir vorbeigegangen.

Der erste Band der Reihe, Twilight, fiel mir voriges Jahr zufällig in einer Buchhandlung in die Hände. Ich hatte vorher nie von der Reihe gehört, klang aber interessant, also wurde es gekauft. Als ich den ersten Band halb durchgelesen hatte, habe ich dann direkt die restlichen drei Bände bestellt. Hätte ich es mal bei dem einen Buch belassen! Im ersten Band sind die Charaktere und die Story noch charmant und größtenteils symphatisch. In den weiteren Bänden wird die Geschichte zunehmend ärgerlich. Beispiele gefällig?

Edward Cullen scheint der Traummann jeder Frau zu sein. Ungeachtet der Tatsache, dass er aussieht wie ein Siebzehnjähriger. Allerdings ein unglaublich gut aussehender Siebzehnjähriger; wenn ich für jedes Mal, wo Stephenie Meyer vom Aussehen ihres Helden schwärmt, fünf Euro bekommen hätte, könnte ich mir jetzt ein neues Auto kaufen. Aber ich schweife ab.
Edward ist also jung, wahnsinnig gutaussehend, reich, hat Manieren aus dem vorigen Jahrhundert und er spielt Klavier. Ausserdem hat er diese geheimnisvolle, melancholische Aura, die auf Frauen unwiderstehlich wirkt. Dummerweise ist er ein bisschen untot, aber niemand ist perfekt.

Darüber hinaus ist Edward allerdings auch ein Stalker, ein Kontrollfreak und er ist nicht in der Lage, eine andere Meinung als seine eigene zu akzeptieren. Er lungert nachts uneingeladen in Bellas Zimmer herum, während sie schläft (Privatsphäre? War zu seiner Zeit vermutlich noch nicht erfunden!); er bewacht jeden von Bellas Schritten, weil ihr ja etwas passieren könnte und er trifft regelmäßig Entscheidungen über ihren Kopf hinweg, selbst solche, die in erster Linie ihr Leben betreffen. Eigentlich behandelt er sie nicht wie eine Partnerin, sondern wie ein unmündiges Kind (was sie streng genommen ja auch ist) oder wie ein besonders wertvolles Haustier. Ich habe beim Lesen mehrfach gedacht, dass ich mir an Bellas Stelle sein Verhalten jetzt wirklich verbitten würde – aber ich bin ja auch erwachsen und schon lange keine siebzehn mehr.
Zu alledem addiere man dann auch noch seinen offensichtlichen Selbsthass und dann ist mir zumindest klar, Edward Cullen ist niemand, den ich gerne zu meinen Bekannten zählen würde. Der Junge hat mehr als nur eine Schraube locker.

Bella auf der anderen Seite, erscheint im ersten Band als eine erfreulich pragmatische, normale Person. Kein überspannter Teenager, sondern ein nettes Mädchen. Das ändert sich aber spätestens im zweiten Band, wenn sie von Edward verlassen zur Psychobraut mutiert. Ich finde es eher gruselig, was Ms. Meyer sich da unter der ganz großen Liebe vorstellt – wenn man sitzengelassen wird, einen totalen Zusammenbruch zu haben und im Anschluss mehrfach sein Leben aufs Spiel zu setzen, nur weil man dann die Stimme seines verlorenen Geliebten im Kopf hört! Das ist einfach nur krank, tut mir leid.

Im weiteren Verlauf der Geschichte schafft es Bella dann, auch die letzten Symphatien zu verspielen. College? Braucht man doch nicht, der Mann hat ja Kohle genug. Heiraten, Kinder kriegen, Häuschen, alles noch bevor man 19 wird, das ist der Sinn des Lebens. Und mit dem Liebsten dann bis in alle Ewigkeit 24/7 zusammenzusein.
Wobei, zur Heirat willigt Bella nur zähneknirschend ein, weil sie Edward anders ja nicht ins Bett kriegt. Wie unglaublich romantisch. Von da an geht es rapide abwärts. Nach der so lang erwarteten Hochzeitsnacht folgt die Strafe gleich auf dem Fuße, mittels einer lebensbedrohlichen Schwangerschaft, die bis ins letzte unappetitliche Detail ausgewälzt wird. In der neugeborenen Tochter findet dann Jacob die Frau seines Lebens, wie praktisch, dann ist dieses Dreieck auch gleich aufgelöst. Bin ich die Einzige die es merkwürdig findet, ein Kleinkind mit einem fast zwanzig Jahre älteren Mann zu verkuppeln? Aber immerhin hat man dann kein Problem, einen Babysitter zu finden.

Die ersten drei Teile waren lesbar, wenn auch stellenweise entweder peinlich oder ärgerlich. Der vierte Teil war nur noch unausgegorener Quark, in dem sich am Schluss alles in Friedefreudeeierkuchen auflöst. In der Welt der Stephenie Meyer möchte ich nicht leben, ganz ehrlich.

Was nun die Verfilmungen betrifft – nun ja, ich wünsche Robert Pattinson, ebenso wie seinen Kollegen, dass es für sie noch eine Karriere nach Twilight geben möge. Er kann sich ja Tips bei Leonardo DiCaprio holen, das war der Posterboy für die Generation davor…

 
2 Comments

Posted by on October 19, 2009 in Bücher, Filme

 

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2 responses to “Meisterwerke der Weltliteratur. Nicht.

  1. renate

    October 20, 2009 at 3:51 pm

    Rosamunde Pilchers Bücher habe sich auch verkauft wie geschnitten Brot. Dabei ist sie die Courts Mahler des 20. Jahrhunderts.

    Mein Fall ist solche Lektüre nicht. Auch die von dir hier beschriebene nicht. Aber wir wissen ja, dass sich über Geschmack (nicht) streiten lässt.

    Viele Grüße von Renate
    P. S.: Buchempfehlung: “Das Herzenhören”. Wunderbarer Lesestoff!

     
  2. Andrea

    October 20, 2009 at 5:23 pm

    Witzig, einen Tag zuvor sagte ich noch auf Twitter, “Twilight” sei wie Rosamunde Pilcher mit Untoten. Da ist wirklich was dran.

    Ich würde ja lieber noch mal Emily Brontë’s “Wuthering Heights” (Sturmhöhe) lesen, das scheint streckenweise die Vorlage gewesen zu sein. 😆

    Aber jeder wie er mag.

    “Das Herzenhören” werde ich mal lesen, das klingt interessant was auf Amazon dazu steht. Danke für den Tip! 😀

     

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