RSS

Durchgespielt: Dragon Age Origins

18 Nov

dragon-ageAlle Jubeljahre einmal kommt ein Spiel auf den Markt, von dem Fans noch zehn Jahre später schwärmen werden. Baldurs Gate war zum Beispiel so eines. Dragon Age Origins stammt von denselben Machern und hat das Potential, auch in diesen Club der legendären Games aufgenommen zu werden. Fantasy-Fans haben seit Monaten auf die Veröffentlichung gewartet und zum Glück hält das Spiel, was wir uns davon versprochen haben.

Dabei ist das eigentliche Gameplay eher zweckmäßig aber unspektakulär. Mich hat es nicht nur an Baldurs Gate sondern vor allem an Neverwinter Nights erinnert, das ja auch aus dem Hause Bioware kommt. Man hat eine Ansammlung unterschiedlicher Charaktere, die man je nach Bedarf zu einer vierköpfigen Gruppe (inklusive dem Spielercharakter) zusammenstellt und auf diverse Questen entlang einer Hauptstory schickt. Dabei gewinnt man Kämpfe nicht durch stumpfes Reinrennen und Niederprügeln, sondern vor allem in den späteren Missionen durch strategische Plazierung seiner Kämpfer unter ausgiebigem Gebrauch der Pausentaste. So weit, so bekannt. Im Unterschied zu NWN beispielsweise, kann man hier seinen Recken allerdings während des Kampfes nicht mehrere aufeinanderfolgende Anweisungen am Stück mitgeben. Dies tut man stattdessen über ein Taktikmenü, wo man festlegen kann, wie einzelne Charaktere sich grundsätzlich in welchen Situationen verhalten sollen; beispielsweise einen Heilzauber sprechen, sobald ein Charakter unter 50% Gesundheit fällt oder immer das Ziel angreifen das der Hauptcharakter angreift oder… Die Möglichkeiten sind weit gefächert und solange man den jeweiligen Charakter nicht selbst übernimmt, hält er sich an diese Anweisungen. Rein technisch bietet Dragon Age also nichts, was man nicht so oder so ähnlich schon in diversen RPG’s erlebt hätte.

Grafisch ist Dragon Age Origins durchaus ansprechend, bleibt aber auf dem Teppich. Dafür halten sich dann zum Glück auch die Anforderungen an die Hardware in Grenzen. Man kann es auch auf einem älteren PC spielen, wenn man die Grafikeinstellungen etwas herunterschraubt. Brauche ich zum Glück nicht.

Was nun den Fans feuchte Augen beschert ist die Story. Oder vielmehr die Stories, denn je nachdem was man spielt und wie man sich verhält gibt es ganz unterschiedliche Varianten, auch wenn der rote Faden der Geschichte immer derselbe ist. Es gibt insgesamt vier unterschiedliche spielbare Rassen; zusammen mit den Klassen ergeben sich zwölf mögliche Kombinationen. Und je nachdem welche man wählt, ist die Geschichte der eigenen Herkunft, wie man im Spiel behandelt wird und vor welchen Entscheidungen man an bestimmten Stellen steht eine andere. Man könnte Dragon Age Origins theoretisch hunderte Male durchspielen und dabei wären keine zwei Spiele völlig identisch. Entscheidungen haben hier durchaus weitreichende Konsequenzen, die man manchmal auch erst wesentlich später zu spüren bekommt.

Und das dann auch noch in filmreifer Qualität. Die Story erfreut durch eine Vielzahl von Wendungen, die Welt, ihre Geschichte und die Charaktere mit denen man zu tun bekommt sind allesamt bis ins Detail schlüssig ausgestaltet. Dabei wurde mit viel Humor zu Werke gegangen. Insbesondere die Gefährten die man um sich schart, sind jeder eine eigene Persönlichkeit, mit Vorlieben, Abneigungen und erstklassigen Dialogen. Wie bei Spielen von Bioware üblich, unterhalten sich diese Gefährten auch gerne mal untereinander, wenn man unterwegs ist. Diese Konversationen sind so schlagfertig, ich musste häufiger eine Pause einlegen, einfach weil ich vor lauter Lachen die Tastatur nicht mehr bedienen konnte.

Dabei trägt natürlich enorm zur Atmosphäre bei, dass zumindest die englische Fassung von renommierten Synchronsprechern, die man zum Teil auch aus Fernsehserien (z.B.  Star Trek Voyager oder Crossing Jordan) kennt, vertont wurde. Wie es um die Qualität der deutschen Synchronisation bestellt ist, kann ich leider nicht sagen, nehme aber an, dass auch da nicht gespart wurde.

Insgesamt ergibt sich beim Spielen ein unglaublich realistisches Gefühl; so als wäre man mitten in einem Film; und zwar in einem erstklassigen Film. Dass die Macher sich bei manchen Details relativ freizügig bei Peter Jacksons Herr der Ringe Trilogie bedienen, tut dem ganzen keinen Abbruch sondern trägt im Gegenteil noch zum epischen Feeling des Spiels bei. Siehe dazu auch mein absoluter Lieblingstrailer:

Die Geschichte kurz zusammenzufassen, ist aufgrund ihrer Tiefe nicht einfach. Ganz simpel: die Bösewichte aus dem Video sind sogenannte Darkspawn, seelenlose Monster die normalerweise unter der Erde leben und gelegentlich in kleinen Banden Angst und Zerstörung verbreiten. Alle paar hundert Jahre schaffen es diese Darkspawn aber, sich einen Erzdämon als Anführer zu sichern; dann überfallen sie unter dessen Führung als mächtiges Heer die Länder an der Oberfläche und versuchen diese auszuradieren. Du als Held wirst nun zum Mitglied einer elitären Vereinigung von Kämpfern, den Grey Wardens, deren Job es ist, genau das zu verhindern und diese Plage unter allen Umständen aufzuhalten. Dabei werden dir natürlich von diversen Seiten noch Steine in den Weg gelegt. Oder wie Morrigan, die Hexe, so schön formuliert: “Apparently everyone seems to agree that a blight is the perfect time to start killing each other. Marvelous, really.”

Dabei ist die Welt hier eine durchaus eigenständige und bietet genug Raum für Weiterentwicklung und Fortsetzungen. Die Macher bezeichnen ihr Werk als “Dark Fantasy” und dunkel sind die Zeiten in der Tat. Es gibt Mord und Totschlag ebenso wie Slums, Prostitution und Drogenmissbrauch. Beispielsweise Elfen sind hier dem Klischee entsprechend zwar die schönen, zarten, langohrigen Wesen die wir erwarten. In dieser Welt sind sie allerdings überhaupt nicht hoch angesehen, im Gegenteil. Sie leben entweder von den Menschen unterdrückt und ausgenutzt in Ghettos der Städte, oder streifen zurückgezogen durch die Wälder und stehen jedem Fremden feindselig gegenüber. Zwerge sind auch nicht wirklich die lustigen, jovialen, bierseligen Schmiede und Kämpfer. Sie mißtrauen allem was von der Oberfläche kommt, haben ein striktes Kastensystem, das für viel Leid und Ungerechtigkeit sorgt und sind darüber hinaus untereinander bis aufs Blut zerstritten. Das trägt nicht wirklich zum Fortbestand ihrer Rasse bei, aber ein echter Zwerg ist Vernunftgründen gegenüber resistent.

Für Fans von Fantasy und Rollenspiel ist Dragon Age Origins jedenfalls ein Spiel an dem man nicht vorbeikommt. Bioware setzt mal wieder Maßstäbe.

Für mich ganz eindeutig das Spiel des Jahres!

 
Leave a comment

Posted by on November 18, 2009 in Games

 

Tags: , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

 
%d bloggers like this: