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Angesehen: 2012

12 Dec

Gestern abend waren wir mit Freunden im Kino und haben uns 2012 angesehen.

Leider haben wir vergessen, vorher das Hirn auszuschalten, insofern war der Kinoabend dann doch nicht ganz so erfreulich.

Filme wie diese folgen immer einem bestimmten Schema. Es beginnt mit einer Vorgeschichte, in der das kommende Unheil pseudowissenschaftlich vorhergesagt wird. In den meisten Filmen werden die Warnungen der Wissenschaftler ignoriert, worauf die Katastrophe die Menschheit unvorbereitet trifft. In diesem Film wird den Wissenschaftlern zugehört und Vorkehrungen getroffen – für diejenigen, die wichtig oder reich genug sind, gerettet zu werden. Den Rest der Menschheit trifft die Katastrophe unvorbereitet. Das macht aber nichts, denn die bekommen wir ohnehin nur als kleine zappelnde Figuren in einem riesigen CGI-Haufen mit, darum berührt uns der Tod von Millionen hier auch nicht so sehr.

Davon abgesehen folgt der Film weiter dem Katastrophenfilm-Baukasten: es werden einige Protagonisten vorgestellt, damit wir jemanden haben, mit dem wir mitleiden können und der uns durch die zunehmende Zerstörung führt. Dabei passieren natürlich ständig noch kleinere Beinahe-Katastrophen, bei denen zum Glück nur die unwichtigen Begleiter sterben. Bei Star Trek hätten sie rote Hemden an, aber auch hier ist frühzeitig klar, wer das Ende nicht erleben wird. Gegen Schluss, als es so aussieht, als könnte es tatsächlich sowas wie eine Rettung geben, wird natürlich nochmal alles viel schlimmer und wie immer in diesen Fällen scheint schon alles verloren. Rettung erfolgt natürlich erst in letzter Sekunde – buchstäblich, denn auch der unvermeidliche digitale Countdown fehlt nicht – durch den heldenhaften Einsatz des Protagonisten, der entgegen jeglicher Logik den Tag rettet. Am Schluss fahren wir dann alle dem Sonnenaufgang entgegen. Oder so ähnlich.

Ein paar Beispiele. Achtung, es folgen SPOILER!

  • Die ganze Katastrophe findet statt, weil Sonneneruptionen die Anzahl der Neutrinos erhöhen und dieser Vorgang wie Mikrowellen den Erdkern aufheizt. Das ist pseudowissenschaftlicher Quatsch; aber fast jeder Katastrophenfilm hat eine schwachsinnige Erklärung wie diese, also geht das gerade noch in Ordnung.
  • Als der Westen der USA in Erdspalten versinkt und im Yellowstone Park Vulkane ausbrechen, fliehen die Protagonisten per Flugzeug. Auftanken wollen sie dieses auf Hawaii. Auf einem eh schon aktiven Vulkan? Hallo?
  • Die diversen Erd- und Seebeben im Film lösen natürlich auch Tsunamis aus. Auf dem Meer schwimmt ein gigantischer Ozeandampfer, der von einer noch viel gigantischeren Welle einfach mal überrollt und verschluckt wird. Völliger Unfug, denn Tsunamis werden erst in Ufernähe zu gigantischen Wellenbergen. Auf dem offenen Meer sind diese Wellen nicht wesentlich höher als andere und so würde man auf dem Ozeanriesen warscheinlich gar nicht merken, dass gerade ein Tsunami darunter durch gerollt ist.
  • Man sollte annehmen, dass wenn man Schiffe speziell zur Rettung im Fall von Tsunamis etc. baut, dass man dieses erstens nicht am Ende eines Tales tut, wo das ankommende Wasser durch die Form des Tals seine maximale Zerstörungskraft entfalten kann und zweitens beim Bau mit einkalkuliert, dass ausser dem Wasser noch jede Menge Schutt und Trümmer mitgeführt werden, die ebenfalls zu Beschädigungen führen können. Mal ganz davon abgesehen, dass die entsprechenden Schiffe so nahe beieinander sind, dass Kollisionen praktisch vorprogrammiert sind.
  • Ebenfalls sollte man annehmen, dass bei Fahrzeugen die speziell für einen Katastrophenfall, in dem man nicht ganz genau weiss was auf einen zukommt, konstruiert werden, immer die Möglichkeit besteht, eine eventuelle Automatik von Hand zu überbrücken. Dass man den Motor nicht starten kann, weil die Tür offen steht, mag vielleicht heutzutage bei Mittelklassewagen so sein, aber woanders wirkt es lächerlich.
  • Im Falle eines undichten Schiffsrumpfs und infolgedessen durch Schotts getrennten Kammern läuft immer zuerst die am nächsten zur Außenhülle gelegene Kammer voll, dann die angrenzende und so weiter. Keineswegs aber bleibt der Wasserstand in der äußersten Kammer nahezu gleich, während die mittlere Kammer sich sofort mit Wasser füllt. Auch dann nicht, wenn eine für den weiteren Plot entbehrliche Nebenfigur sich dort aufhält.
  • Über die Länge des Bremsweges eines Ozeanriesen und dessen geradezu sprichwörtliche Wendigkeit lasse ich mich lieber nicht im Detail aus. Wenn ich so ein Ding anhalten oder rückwärts bewegen will, dann muss ich mir das mindestens eine Viertelstunde früher überlegen und nicht dreißig Sekunden vorher.
  • Selbst wenn große Teile der Erdoberfläche schon zerstört sind, Mobiltelefone funktionieren immer noch. Wie bitte? Liebe Leute, diese Dinger funktionieren nicht über Satelliten, sondern über stinknormale Sendemasten. Und diese stehen auf der Erde. Klar?
  • Sobald es einmal richtig gerummst hat, ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Die Erdkruste hat sich halt ein bisschen verschoben, der Südpol ist jetzt in Wisconsin, aber hey, was soll’s, fahren wir halt nach Afrika.
    Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bezweifle, dass sich die Erde nach so einem Vorfall so schnell wieder beruhigt. Ich denke eher, das wäre ein Prozess von Jahren, wenn nicht Jahrhunderten.

Ich könnte noch etliche Sachen aufzählen, aber das sprengt dann auch den Rahmen. 2012 ist ein Katastrophenfilm im wörtlichen Sinne. Braucht man nicht ansehen.

 
2 Comments

Posted by on December 12, 2009 in Filme

 

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2 responses to “Angesehen: 2012

  1. Carsten

    December 12, 2009 at 11:48 am

    2012 ist halt ganz normales Popcorn Kino. Der Film kommt aus den USA und verspricht halt Action pur. Dass das keine Doku ist, sollte ja jedem klar sein. Aber der Film ist doch genauso wie alles anderen Filme die Uberaction bieten. An den Haaren herbeigezogen und vieles wird zurecht gebogen… Das Gehirn demnächst bitte an der Kasse abgeben😉

    Gruß Carsten

    PS: Ich fand den Action technisch gut gemacht. Die Story naja, halt typisch oversized…

    PSS: New Moon fand ich zum k…..

     
  2. Andrea

    December 14, 2009 at 5:13 pm

    Ganz ehrlich, ich liebe Popcornkino, ich liebe Krachbummaction und ich mag Katastrophenfilme, sonst hätte ich die Truppe ja nicht ins Kino geschleift.

    Ich kann in vielen Fällen auch über hirnrissige Drehbucheinfälle hinwegsehen. Wenn Bruce Willis mit einem Auto einen Hubschrauber abschiesst, hey, er ist John McClane, der macht sowas halt.

    Aber wenn krampfhaft und nicht mal besonders einfallsreich oder geschickt versucht wird, mit urältesten Klischees und dämlichen Einfällen die Story in die Länge zu ziehen und mühsam noch ein bisschen mehr Spannung rauszukitzeln, dann macht es irgendwann keine Freude mehr.

    Eine Aneinanderreihung von Klischees kann auch sehr gelungen sein, siehe z.B. die Scream-Reihe. Aber hier ist es einfach nur platt. Emmerich hätte auf diverse Storyelemente einfach verzichten sollen und dazu stehen, dass er Katastrophen-P*rn fabrizieren will, das kann er nämlich eigentlich sehr gut.

    P.S. “New Moon” würde ich mir nicht mal ansehen, wenn man mich dafür bezahlen würde.

     

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