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Helden

09 Apr

So oder so ähnlich auf diversesten Blogs gesehen – ich zitiere:

Wenn du nach 1980 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun!

Aber du solltest trotzdem weiterlesen, um zu verstehen, warum die Pampers-Generation, zu der du ja auch gehörst, keine Helden hervorbringen wird!

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es rückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!

Wir sind Helden!

Warum ?

Wir saßen im Auto ohne Kindersitz, ohne Sicherheitsgurt und ohne Airbag! Unsere Bettchen waren mit Farben voller Blei und Cadmium angestrichen! Auch die bunten Holzbauklötze, die wir uns begeistert in den Mund steckten … Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen!

Wenn wir zu faul zum Laufen waren, setzten wir uns hinten auf das Fahrrad unseres Freundes – natürlich ohne Helm! Der strampelte sich ab und wir versuchten, uns an den Stahlfedern des Fahrradsattels festzuhalten!

Unsere Schuhe waren immer schon eingelaufen durch Bruder, Schwester, Neffe, Freunde der Eltern oder so.

Auch das Fahrrad (nicht Mountain-Bike!!) war meistens entweder zu gross oder zu klein! Überhaupt hatte ein Fahrrad keine Gangschaltung. Und wenn doch, dann nur eine mit 3 Stufen! Und wenn du einen Platten hattest, lerntest du vom Vater, wie man das selber flicken konnte! (Am Samstagnachmittag – mit Wassereimer, Schlauchwerkzeug, Schmirgelpapier und Gummilösung …)

Wasser tranken wir aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen!

Einen Kaugummi legte man am Abend auf den Nachttisch und am nächsten Morgen steckte man ihn einfach wieder in den Mund!

Wir aßen ungesundes Zeugs (Schmalzbrote, Schweinsbraten,…), keiner scherte sich um Kalorien und wir wurden trotzdem nicht dick!

Wir tranken aus der gleichen Flasche wie unsere Freunde und keiner machte deswegen ein Theater oder wurde gleich krank!

Wir verließen frühmorgens das Haus und kamen erst wieder heim, wenn die Straßenbeleuchtung bereits eingeschaltet war. In der Zwischenzeit wusste meistens niemand, wo wir waren – und keiner von uns hatte ein Handy dabei!!!

Wir haben uns geschnitten, die Knochen gebrochen, Zähne rausgeschlagen und niemand wurde deswegen verklagt. Niemand hatte Schuld – außer wir selbst. Das waren ganz normale, tägliche Unfälle und manchmal bekamst du hinterher sogar (als erzieherische Zugabe) noch eins auf den Po!

Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendos, X-box, 200 Fernsehsender, Videos, DVDs, Dolby-Surround-Sound, iPods, eigene Fernseher, PCs und Internet, Jahreskarten im Fitness-Club, Handys …

Wir hatten Freunde!

Wir gingen einfach raus und trafen uns auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu denen nach Hause und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer Eltern!

Das Fernsehprogramm begann erst um 18 Uhr ! Die Eltern bestimmten, was und wie lange „TV-geglotzt“ wurde!

Wir bauten Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar!

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir uns auch nicht besonders viele Augen aus!

Wir spielten Straßenfußball, und nur wer gut war, durfte mitspielen. Wer nicht gut genug war, musste zuschauen und lernen, mit Enttäuschungen umzugehen! Und das ging auch ohne Kinderpsychiater!

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbeurteilung!!

Wir machten unsere Pausenbrote selber, nahmen am Morgen einen Apfel mit und wenn wir das vergaßen, konnte man in der Schule nichts kaufen ! McDonalds … Burger-King … Döner-Bude …Snack-Bar … Imbiss-Stand … Pizza-Ecke……………. Fehlanzeige !

Zur Schule gingen wir (auch im Winter) zu Fuss!

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstieß, war klar, dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel herausboxten. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! Na so was!

Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem mussten wir umgehen und wussten wir umzugehen!

Geboren vor 1980! Gehörst DU auch dazu ? Gratuliere!
Wir sind HELDEN!

Ich selbst erinnere mich auch, dass wir auf der Strasse Rollschuh liefen und die Autofahrer weder hupten noch cholerische Anfälle bekamen, sondern einfach nur langsam an uns vorbeifuhren. Die Geschichte mit den Würmern kann ich ebenfalls bestätigen. In die Strassen-Fußballmannschaft bin ich aus schnöden materialistischen Gründen aufgenommen worden – ich besaß den coolsten Fußball weit und breit!

Heute möchte ich kein Kind mehr sein, denke ich.

 
6 Comments

Posted by on April 9, 2010 in Dieses und jenes

 

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6 responses to “Helden

  1. Yaelra

    April 9, 2010 at 11:30 pm

    Hmm, das Gute ist ja, dass alle vor 1980 geborenen glücklich sind und mit sich und der Welt im Reinen. Sie haben kein Alkohol- Drogen- oder sonstiges Problem, sie sind einfach nur gesund und zufrieden. Psychologen brauchen sie auch keine, weil ja alles passt.
    Not.

    – Ironie off: ich meine, man kann schon über die “heute verdorbene Jugend” schimpfen, aber derart selbstüberzeugt und -herrlich schreiben kann nur jemand der echt nen Zacken ab hat… Kenn den Text schon lange, und musste immer schon geistig den Kopf schütteln….

     
  2. Tobias

    April 10, 2010 at 1:14 am

    *schließt sich Ulli an und wickelt den Text mal auf eine Bartwickelmaschine*

     
  3. Karin

    April 10, 2010 at 8:00 am

    ich stimme mit “ja” ich gehöre dazu und es fühlt sich gut an. Wir konnten uns als Menschen noch entwickeln und keiner hat alle 5 Min. auf dem Handy angerufen. Ich musste auch nach Hause wenn die Straßenbeleuchtung an ging und zu meiner Freundin bin ich 1 km gelaufen ohne vorher dort anzurufen, meistens hatte sie Zeit und war zu Hause, dann sind wir los, manchmal war keiner da und ich maschierte wieder heim.
    Wenn ich heute meinem 13jährigen so behandle halten mich manche Eltern für verrückt. Mein Sohn fährt mit dem Fahrrad zu seinem Kumpel um zu sehen ob er Zeit hat und wenn nicht ist er eben mal 6 km Rad gefahren und das schadet ihm nicht.
    Ich finde es “normal” und meinem Sohn langen 15 Euro Guthaben auf dem Handy mind. 6 Monate. LG Karin

     
  4. Andrea

    April 10, 2010 at 11:17 am

    Ich sehe da kein Geschimpfe über die heute verdorbene Jugend. Und zu sagen, dass früher alles besser war, ist seit jeher das Privileg der vorangegangenen Generation(en).

    Wenn ich wählen müsste, ob ich nochmal so Kind sein möchte wie damals (mit all den negativen Punkten, die im Text nicht angesprochen werden) oder heute, wo das Kind als Konsument entdeckt wurde und irgendwie zwischen Werbung, Handy, Fast-Food, Spielekonsole und dergleichen groß werden muss – ich würde mich immer wieder für damals entscheiden.

     
  5. Yaelra

    April 10, 2010 at 4:47 pm

    Mein Punkt ist aber ein anderer: Niemand kann das objektiv beurteilen, weil man immer nur zu EINER Kohorte gehört, und von jeder anderen exakt gar keine Ahnung hat (i.S. von wissen wie es ist da groß zu werden, nur zuglotzen und urteilen ist was anderes).

    Ich meine.. ich sag NICHT dass es gut ist wie es heute ist und ich sage NICHT dass es nicht vielleicht früher besser war.. Aber so GUT kann es ja vor 1980 auch nicht gelaufen sein, wenn man bedenkt welch unfähige Eltern in der Generation gezogen wurden 😛 Ja, ist eben auch die Kehrseite. Man müsste also die vorletzte Generation mitbeurteilen und so weiter..

    Aber ICH kann nicht so global urteilen, und ich sprechs mal per se jedem anderen auch ab 😉 Natürlich kann man einfach sagen “ich bin/war/wäre am liebsten da Kind”, aber das ist auch keine Meinung die auf Erfahrung fußen kann (siehe oben).. Aber es ist natürlich trotzdem herrlich wenn man sich in der Zeit in der man aufwuchs am wohlsten fühlte.

    Ich für meinen Teil bin, auf Erfahrung pädagogischer Einrichtung/Erziehungshilfe basierend, nur HEILFROH dass der anti-autoritäre Scheiß vorbei zu sein scheint…. Wobei, aus Fehlern lernt man, … dann wird die nächste Generation ja PEEERFEKT! *hust* 🙂

     
  6. Karin

    April 11, 2010 at 2:24 pm

    p.s. unsere Samtpfötchen sind da 🙂 willst mal guggen ? LG Karin

     

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