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Das Kind in dir – Urlaub mit der Familie

11 Apr

Letzten Monat habe ich beim Thema Hörspiele ja ausgesetzt; in meiner Kindheit kamen irgendwie keine Hörspiele vor, vermutlich weil ich meinen ersten Cassettenrecorder (!) erst mit 14 bekam. Aber im April lautet das Thema Urlaub mit der Familie – und da kann ich auch wieder mitreden.

Wobei ich mich aus meiner Kindheit nur an insgesamt vier Urlaube mit der Familie erinnere. Als ich noch sehr klein war, so vier oder fünf, jedenfalls noch nicht in der Schule, da fuhren wir in Urlaub gleich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf die Nordseeinsel Borkum.

Meine Erinnerungen an diese Urlaube beinhalten vor allem diverse Erlebnisse am Strand. Das Übliche natürlich, Sandburgen bauen, Muscheln sammeln, Quallen panieren und was Kinder sonst noch so treiben. Es gab aber auch lehrreiche Erlebnisse. Beispielsweise warum es unter Umständen keine so tolle Idee ist, mit dem Kopf voran von der Rutsche zu rutschen und wie lange es dauert, bis man den ganzen Sand wieder aus Mund und Augen bekommt. Wobei lautstarkes Heulen unheimlich hilft.

Zum Heulen fand ich auch den Wind. Wenn man als Kind die vorgeschriebene Zeit (nämlich bis man blaue Lippen hatte und anfing zu schlottern) im Meer verbracht hatte, sorgte der Wind dafür, dass einem noch kälter wurde. Ausserdem brachte er massenhaft Sand mit, der auf der Haut wieder piekste wie Nadelstiche. In Kombination mit dem Handtuch, mit dem man zwecks Aufwärmen feste abgerubbelt wurde, hatte das Ganze eine Wirkung wie Sandpapier.

Nordsee-Urlaub war eben nix für Weicheier.

Aus diesem Urlaub ist mir auch noch ein besonderes Souvenir in Erinnerung geblieben. Es gab dort nämlich einen Spielzeugladen und im Schaufenster desselben stand ein kleines, rotes Spielzeugtelefon. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich musste dieses Telefon haben! Jedes Mal wenn wir dort vorbeigingen, drückte ich mir die Nase am Schaufenster platt und verkündete, dieses Telefon dringend zu benötigen. Bis mir meine Eltern irgendwann strikt erklärten, das käme ja wohl überhaupt nicht in Frage. Worauf ich mitten auf Borkums belebter Einkaufsstraße stehenblieb und hinter ihnen herbrüllte

“Dann suche ich mir eben andere Eltern!”

Natürlich habe ich das nicht in die Tat umgesetzt. Aber offenbar hatten sie doch Angst bekommen; am Tag vor der Abreise bekam ich ein kleines Päckchen in die Hand gedrückt und darin befand sich das Telefon!

Von einem dieser Urlaube hat man mir auch berichtet (ich selbst erinnere mich nicht mehr daran), dass es auf irgendeiner Schiffsüberfahrt wohl mächtigen Seegang gab. Während sich um mich herum alles grünlich verfärbte und viele der Mitfahrer sich ohne Aufhebens wieder von ihrem Frühstück trennten, saß ich völlig ungerührt unter Deck und futterte meine Schinkenbrote. Damals stellte sich heraus, dass ich wohl gegen Seekrankheit ziemlich immun bin.

Leider nicht immun, war ich gegen irgendeinen Virus oder Bakterien oder was auch immer, die einige Jahre später bei einem Urlaub in Rumänien, in irgendeinem Badeort am Schwarzen Meer, bei diversen Mitreisenden eine recht unangenehme Magen-Darm-Geschichte verursachte. Ich verbrachte jedenfalls den überwiegenden Teil des Urlaubs im Hotelzimmer bzw. im Bad. Das war jetzt nicht so schlimm, wie man meinen könnte, denn der Ort war sowieso ausgesprochen trostlos, das Essen war grauenhaft und in der Umgebung gab es auch nichts Sehenswertes. Dafür war der Urlaub aber unglaublich billig.

Das Interessanteste war noch die DDR-Reisegruppe, deren Reiseleiter sie mit Argusaugen bewachte, damit sie nicht versehentlich von den bösen, imperialistischen Wessis (uns) infiltriert werden konnten.
Die Einheimischen waren da entspannter; fast jeder hatte irgendeine dramatische Geschichte von einem armen Verwandten auf Lager, dem es gerade furchtbar schlecht ging und der sich ganz sicher über ein Geschenk aus dem Intershop, wie einer Flasche Whisky oder einer Stange Zigaretten, unglaublich freuen würde. Wir würden natürlich den entsprechenden Gegenwert in heimischer Währung bekommen, es sollte ja unser Schaden nicht sein. Da hilft man doch gern, oder?

Insgesamt war ich froh, dort wieder wegzukommen.

Ein weiterer Urlaub, an den ich mich erinnere, war wiederum einige Jahre später und ging nach Österreich, an den Zeller See. Da meine Eltern kein Auto hatten, fuhren wir mit einer Busreisegruppe, deren Altersspiegel wir durch unsere Anwesenheit auf ungefähr 60 Jahre senkten. Mit einer Gruppe Rentner im Bus unterwegs zu sein, ist nicht wirklich, was man sich als Kind unter Ferien vorstellt.
Als erfreulichstes Ereignis dieser Reise ist mir im Gedächtnis geblieben, dass meine kleine Schwester die Windpocken bekam und ich demzufolge davon befreit war, auf sie aufpassen zu müssen. Das übernahmen dann unsere Eltern abwechselnd im Hotelzimmer, so dass ich sehr viel Zeit für mich hatte. Allerdings bekam ich im Anschluss an den Urlaub ebenfalls die Windpocken.

Wenn ich mir unsere Familienurlaube so im Nachhinein betrachte, wundert es mich nicht, dass es nur so wenige waren.😉

 
2 Comments

Posted by on April 11, 2010 in Dieses und jenes

 

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2 responses to “Das Kind in dir – Urlaub mit der Familie

  1. Andrea

    April 12, 2010 at 8:38 pm

    Hallo Andrea,
    das hört sich insgesamt nicht so gut an😉 Aber dass du immun gegen Seekrankheit bist, wow, da beneide ich dich!
    Ciao, Andrea

     

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