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Speed Dating

20 Apr

Gestern bekam ich einen Anruf vom Arbeitsamt. Die Arbeitsvermittlerin teilte mir mit, man hätte meine Unterlagen einer Firma hier im Ort vorgelegt, die mich nun kennenlernen wollten und bei denen ich mich schnellstmöglichst melden sollte.

Gesagt, getan, ich rief umgehend dort an und bekam für heute einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. Meine Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf und Zeugnisse) sollte ich bitte mitbringen.

Bei der Firma angekommen, zogen sich meine Ansprechpartner erst einmal zum Studium meiner Unterlagen in einen Nebenraum zurück. Nach zehn Minuten stand dann fest

“Tut uns leid, Sie sind überqualifiziert!”

Weiteres Gespräch unnötig, vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben. Ich kann es ihnen nicht mal übel nehmen, aus den Unterlagen, die man vom Arbeitsamt erhält, ist nach guter deutscher Amtstradition keine sinnvolle Information zu entnehmen. Ärgerlich ist es trotzdem.

Also liebes Arbeitsamt, jetzt wissen wir endlich, warum ich nach hundert Bewerbungen noch immer keinen Job habe. Ich bin nämlich überqualifiziert.

 
13 Comments

Posted by on April 20, 2010 in Dieses und jenes

 

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13 responses to “Speed Dating

  1. Tobias

    April 20, 2010 at 2:02 pm

    Wenn’s nicht so bitter wäre, wär’s witzig 😉

     
  2. Marlene

    April 20, 2010 at 4:36 pm

    😦
    das ist ja voll ärgerlich. ich glaube ich wäre total wütend gewesen. Ich würde da auch mal mit dem Amt reden *aufstampf* Denn schließlich hätten die das ja “eigentlich” aus deinem Profil ersehen müssen 😉

    Ich weiß zwar nicht was du machst, aber ich drücke dir die Daumen, dass du bald den Bewerbungsmist hinter dir hast

    LG
    Marlene

     
  3. Nadine

    April 21, 2010 at 7:49 am

    Meine beste Freundin hat den gleichen Mist auch durch. Das war sehr frustrierend, weil sie entweder total über- oder total unterqualifiziert war. Schlußendlich hat sie dann doch noch was passendes gefunden. Direkt hier in der Nähe, gute Konditionen usw… hat lange gedauert, aber doch geklappt. Von daher: durchhalten und nicht unterkriegen lassen!! Das wird schon. Ich drück dir die Daumen!!

     
  4. kathi

    April 21, 2010 at 9:47 am

    ohnein, wie doof 😦 ich hatte damals auch knapp 3,5 jahre (!) gesucht, das amt und etliche jobvermittler waren einfach nur unfähig. mit der zeit fehlt auch wirklich das geld und es nagt am ego. und je länger man raus ist, umso häufiger kommen dann aussagen wie “Sie sind zu lange aus dem job heraus..”- unfair !!! erst ein 300km-wohnortwechsel hat mir dann den jetzigen job gebracht 😦

     
  5. Andrea

    April 21, 2010 at 10:19 am

    @Kathi Hast Du erst den Wohnortwechsel gemacht und dann den Job gefunden oder umgekehrt?

    Ich suche ja mittlerweile in ganz Deutschland und sogar darüber hinaus. Umziehen wäre ja gar kein Problem, aber irgendwie will mich keiner.

    Bei dem Beispiel oben erfahre ich ja noch wenigstens was der Grund war, aber ansonsten tappe ich im Dunkeln. Bin ich zu gut, zu schlecht, liegt es daran, dass mein Lebenslauf mehr einer Landstrasse ähnelt als einer Karriereautobahn oder bin ich vielleicht schlicht zu alt, da ich die magische 35iger Grenze überschritten habe?

    Ich werde es vermutlich nie erfahren, aber irgendwie nagt es an mir…

     
  6. kathi

    April 21, 2010 at 1:06 pm

    also ich bin quasi und mutig “aufs blaue” nach NRW gezogen.
    passte sich damals aus privater sicht ganz gut. in meiner heimat drehte sich alles im kreis und ich hatte angst aus diesem teufelskreis gar nicht mehr hinaus zu kommen und wurde immer unzufriedener. 😥
    das angebot in NRW war schlagartig ein ganz anderes (komme ursprünglich aus der ecke Harzvorland): andere lokale anbieter, zeitungen zu denen ich aus dem WWW nie gekommen wäre. etc.. mein “sprungbrett” war dann erstmal für 8 wochen eine zeitarbeitsfirma (ja, so verzweifelt war ich damals), aus dem zeitarbeitsvertrag wurde dann ein “echter”/unbefristeter- und da bin ich jetzt immernoch. damals war ich 33.. das war vor 4 jahren 🙂
    ich drück dir auf jeden fall ganz doll die daumen!

     
  7. Andrea

    April 21, 2010 at 1:48 pm

    Ich habe so langsam den Eindruck, ich sollte mir auch einfach aussuchen, wo ich wohnen will, dann da hinziehen und vor Ort nach dem Job suchen.

    Keine Ahnung, ob auf meinen Bewerbungen auch immer “- Ossi” steht; obwohl ich nicht mal einer bin, sondern nur da wohne. Aber ich habe den Eindruck, es gibt überall genug Arbeitslose, niemand hat Lust, noch welche aus Sachsen zu importieren.

     
  8. Nadine

    April 21, 2010 at 2:10 pm

    Meine Kollegin kommt aus Thüringen. Hat sich nach dem Studium vor drei Jahren in ganz Deutschland beworben und ist dann bei uns hängengeblieben (in einem Kaff irgendwo zwischen Wuppertal und Köln). Wohnt jetzt in Leverkusen und sagt selbst, dass sie im Ballungsgebiet Köln / Düsseldorf / Leverkusen etc. deutlich bessere Chancen hätte was Neues zu finden.

    Ich wohne und arbeite ja schon in diesem Kaff seit ich denken kann. Ich würde mich vermutlich ein bißchen schwer damit tun z.B. in den Norden oder in den Süden zu ziehen wegen des Jobs, aber wenn man muß, dann muß man…

    Traurig finde ich, dass sie einem dann nie richtig sagen woran es liegt. Meiner besten Freundin gings deswegen auch sehr schlecht, die hat sich lange Zeit unheimlich viele Gedanken (vorallem persönlicher, bezogen auf Aussehen, Figur, etc.) gemacht, die sehr an ihrem Selbstwertgefühl gekratzt haben… 😦

     
  9. Andrea

    April 21, 2010 at 3:07 pm

    Vor zehn Jahren schrieb ich, als ich einen neuen Job suchte, fünf Bewerbungen, bekam drei Vorstellungsgespräche und konnte mir dann aussuchen wo ich am liebsten anfangen wollte.

    Jetzt bekomme ich Absagen.

    Meine Berufserfahrung ist in der Zeit nicht schlechter oder weniger geworden. Aber vielleicht wollen die Unternehmen auch keine Mitarbeiter mit Berufserfahrung mehr. Die kosten zuviel Geld.

     
  10. kathi

    April 21, 2010 at 3:53 pm

    @ nadine .. in der ecke köln/düsseldorf/leverkusen lebe ich jetzt auch – da scheint was dran zu sein 🙂

     
  11. nila

    April 22, 2010 at 8:26 am

    Grummel, das hört sich gar nicht gut an. Kommt mir aber irgendwie bekannt vor. Auch bei uns im Ösiland ist man schnell mal überqualifiziert und findet keinen Job. Und es wird von Jahr zu Jahr schwerer. Auch für die Abi-Abgänger.

     
  12. Andrea

    April 22, 2010 at 11:14 am

    Es ist überall dasselbe oder?

    Was ich noch lächerlicher finde: in Stellenanzeigen wird beschrieben, worin die Tätigkeit besteht, ich denke, ja passt, habe ich alles schon gemacht. Dann lese ich was sie haben wollen und unter einem abgeschlossenen BWL-Studium läuft da gar nichts. Bei Jobs, die bis vor wenigen Jahren noch mit einer kaufmännischen Ausbildung zu machen waren. Dass ich den Job schon seit mehr als zehn Jahren mache, ist irgendwie auch kein Argument…

     
  13. Nadine

    April 23, 2010 at 8:31 am

    Ach, die Stellenanzeigen lieb ich ja auch. Meine Abteilung ist recht klein, besteht aber zur Hälfte aus Neulingen, die studiert haben und wenig bis keine Berufserfahrung haben. Ich dagegen arbeite schon seit meiner Ausbildung hier (also gut 14 Jahre jetzt) und ich möchte meinen, dass die Berufserfahrung auch was wert ist, aber ich seh das schon kommen, wenn ich mich wirklich mal woanders bewerben muß, steh ich doof da, weil ich ja kein Studium hab. Eine meiner neuen Kolleginnen ist auch direkt nach der Hochschule zu uns und kann halt nur Theorie und “Auswendiggelerntes”. Aber ihr hat man den Vorzug gegeben, statt jemandem der schon mitte 40 ist und 10 Jahre in dem Job gearbeitet hat. Find ich einfach nur scheisse! So!

     

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