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Die Askese und ich

25 Apr

Ich habe schon seit Ewigkeiten mit der Idee gespielt, doch mal eine Fastenwoche einzulegen. Die vielen begeisterten Berichte, die ich zu dem Thema gelesen habe, spielten bei der Entscheidung ebenso eine Rolle wie die Möglichkeit, dass Fasten eventuell eine positive Wirkung auf ein paar körperliche Probleme von mir haben könnte. Versuch macht klug, also habe ich irgendwann einfach gesagt, ich mache das jetzt.

Bei der Methode habe ich mich zunächst für Master Cleanse entschieden. Sah einfach und unkompliziert aus, da kann man nicht viel verkehrt machen. Dachte ich. Na gut, ich bin Anfänger und Anfänger machen Fehler. Ich besorgte mir also die nötigen Zutaten – Zitronen, Ahornsirup, Cayennepfeffer, Abführtee aus der Apotheke, Meersalz hatte ich sowieso zu Hause. Nach einem Tag an dem ich eher leicht gegessen hatte (also ein ziemlich durchschnittlicher) machte ich mir abends brav mein Beutelchen Abführtee und dann ging es los.

Tag 1
Morgens früh also nach Anleitung Zitronen ausgepresst, Zitronensaft mit Ahornsirup und Cayennepfeffer gemischt, mit Wasser aufgefüllt und diese Limonade dann getrunken. Nicht übel. Allerdings auch nicht so toll, dass ich mich gerne ausschliesslich davon ernähren würde. Leider sieht die Master Cleanse Kur genau das vor, sechs Gläser von dieser Mischung am Tag, ansonsten nur noch Wasser und ungesüßten Kräutertee. Da ich sowieso jeden Tag wenigstens zwei Liter Kräutertee trinke und nicht viel anderes, ist wenigstens dieser Teil unproblematisch.

Beim zweiten Glas der Limonadenmischung dämmert mir bereits, dass Master Cleanse vielleicht eine ganz dumme Idee war. Die Vorstellung “zwei Gläser geschafft, noch 58 vor mir” verursacht mir leichte Übelkeit. Insbesondere der Cayennepfeffer nervt mich. Ich habe kein Problem mit scharf, nur schmeckt dieses fertig gemahlene Gewürz im Vergleich zu den getrockneten, frisch gemahlenen Chilis die ich sonst verwende, wie Sägespäne. Scharfe Sägespäne. Am Abend habe ich mit Müh und Not fünf Gläser von der Limonade getrunken, dann ist der Saft der ersten Zitrone alle. Ich schummele und lasse es mit fünf Gläsern gut sein.

Ein bisschen übel wird mir an diesem Tag auch, weil ich morgens die geniale Idee hatte, mich nach dem Duschen mit Selbstbräuner-Lotion einzureiben und mir nun den ganzen Tag der penetrante Selbstbräunergeruch in der Nase hängt. Puh. Nachmittags halte ich es nicht mehr aus, ein längerer Abstecher unter die Dusche setzt dem Spuk ein Ende.

Hungergefühle habe ich übrigens kaum, zwei- bis dreimal knurrt mein Magen, aber ein Schluck Tee beruhigt ihn immer schnell wieder. Erstaunlich finde ich allerdings, wie oft ich den Impuls habe, einfach mal in die Küche zu gehen, den Kühlschrank zu öffnen und irgendwas in den Mund zu stecken. Nicht aus Hunger, einfach aus Gewohnheit. Ein bisschen ist es, wie sich das Rauchen abzugewöhnen. Der Tag zieht sich in die Länge wie Kaugummi, ich bin froh als ich schlafen gehen kann.

Tag 2
Jetzt geht das Elend richtig los, denn dieser Tag beginnt mit dem sogenannten Salt Water Flush. Einen Liter Salzwasser darf ich mir auf nüchternen Magen reinquälen. Das ist durchaus wörtlich gemeint. Ich schaffe meine Willenskraftprobe (natural 20), aber der Liter Salzwasser kommt in meiner persönlichen Hitliste von widerlichen Sachen, die ich schon mal geschluckt habe fortan auf Platz zwei. Auf Platz eins ist übrigens ein herzhafter Schluck Wasser aus dem Aquarium inklusive Aquarienkies, nur damit niemand falsche Vorstellungen bekommt.

War es schon kein Vergnügen, das Wasser reinzukriegen, wird das locker gesteigert davon, wie es den Körper wieder verlässt. Salzwasser wird ja vom Körper nicht aufgenommen, es “rauscht” einfach so durch. Buchstäblich. Das beschäftigt mich den größten Teil des Vormittages, dazwischen liege ich mit Wärmflasche auf dem Bauch im Bett. Mir ist übel und ich habe Alpträume, in denen ich im Meer ertrinke.

Irgendwann lässt die Übelkeit und die Lauferei nach, dafür bekomme ich tatsächlich Gelüste auf Zitronensaft. Ich bereite mir also ein Glas Limonade zu. Den Cayennepfeffer lasse ich weg, weil schon der Gedanke daran die Übelkeit zurückkommen lässt. Mein Körper verlangt jetzt dringend nach Flüssigkeitsnachschub, die Prozedur hat mich ziemlich ausgelaugt. Ich könnte im Stehen einschlafen, ungeachtet der Tatsache, dass ich eh den halben Vormittag verpennt habe. Und das soll ich jetzt laut Anleitung jeden Morgen machen?

Nee, das geht mal gar nicht. Master Cleanse ist doof. Ich habe nicht erwartet, dass es einfach wird, aber so eine Quälerei muss auch nicht sein. Ich konsultiere also diverse Bücher und das Internet und beschliesse eine Änderung der Taktik. Dazu ist gar nicht viel nötig. Statt Zitronenlimonade gibt es künftig Frucht- und Gemüsesäfte, sowie Tee und Brühe. Und kein Salzwasser mehr. Ich besorge mir also aus dem Reformhaus die guten Direktsäfte, Fastentees und Brühe ohne Hefeextrakt (wichtig, weil da Glutamat drin ist). Nach anderthalb Tagen Zitronensaft mit Wasser kommen mir die kulinarischen Möglichkeiten endlos vor.

Hungergefühle habe ich heute übrigens auch höchstens 2-3 Mal. Allerdings fühle ich mich den ganzen Tag schlapp und müde. Das war aber auch zu erwarten. Abends gibt es ein Glas Gemüsesaft und ich bin glücklich.

Tag 3
Die leicht zugeschwollenen Äuglein, die mich heute morgen aus dem Badezimmerspiegel ansehen, kenne ich schon von verschiedenen Allergieproblemen. Sie besagen, dass da irgendwelche Stoffe durch meinen Körper kreisen, die selbiger als giftig betrachtet. Ausserdem rieche ich aus dem Mund, als wäre in der Nacht ein kleines Tier dort hineingekrabbelt und verendet.

Ich betrachte das mal als gutes Zeichen, denn der Sinn und Zweck des Fastens ist es ja unter anderem, die ganzen ungesunden Stoffe die sonst im Fettgewebe eingelagert sind, auszuschwemmen und loszuwerden. Offenbar ist dieser Prozeß in vollem Gange. Der Abführtee, den ich nach wie vor jeden Abend trinke, tut auch was er soll, was mich persönlich sehr freut. Sonst müsste ich wieder zu irgendwelchen unangenehmen Methoden greifen.

Zum Frühstück gibt es Traubensaft; das ist garantiert der leckerste Saft, den ich in meinem Leben getrunken habe. Die verquollenen Augen verschwinden irgendwann nach dem Duschen, gegen den Mundgeruch muss man halt etwas öfter Zähne putzen als sonst. Allerdings fühle ich mich den ganzen Tag matt und matschig, was aber in Ordnung ist, denn in meinem Körper passieren ja seltsame Dinge. Ausserdem ist mein Stoffwechsel runtergefahren. Die Wärmflasche ist mein ständiger Begleiter, ich friere sonst schon leicht, aber momentan scheine ich überhaupt keine Körperwärme zu produzieren.

Nachmittags gehen wir etwas über eine Stunde spazieren. Das ist ausgesprochen wohltuend, auch wenn ich mich hinterher fühle, als hätte ich eine ausgiebige Wanderung hinter mir. Hunger habe ich an diesem Tag überhaupt nicht, nur als die Rollenspielerbande abends bei uns einfällt und kurze Zeit später der Geruch von Fischstäbchen durch die Wohnung wabert, teilt mir mein Magen mit, dass er auch gerne etwas davon hätte. Ich mache die Zimmertür zu und das Fenster auf und mein Magen hält zum Glück nach kurzer Zeit die Klappe. Interessant finde ich, dass ich ansonsten überhaupt nicht an Essen denke. Ich kann auch die diversen Foodblogs in meinem Reader lesen, ohne dass ich Gelüste auf feste Nahrung bekomme. Essen ist irgendwie gerade ganz weit weg, es sei denn, der Geruch weht mir penetrant um die Nase.

…to be continued….

Nachtrag: die letzten beiden Tage waren komplett unspektakulär; Saft trinken, spazierengehen, mir ging es gut. Aber am fünften Tag habe ich mich schon sehr gefreut, bald wieder etwas zwischen die Zähne zu kriegen. Damit musste ich natürlich ganz langsam und vorsichtig anfangen, aber auch das ging problemlos. Unsere Ernährung wird jetzt noch ein bisschen gesunder; mehr Gemüse, mehr Obst, mehr Vollkorn und so weit es geht auf  Süßkram verzichten.

Und jeden Tag Sport.🙂

 
4 Comments

Posted by on April 25, 2010 in Dieses und jenes

 

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4 responses to “Die Askese und ich

  1. Yaelra

    April 25, 2010 at 3:41 pm

    Hm, ich weiß, wenn jemand begeistert ist kann man nichts sagen, was ihn davon abbringt, aber… Fasten ist wirklich wirklich wirklich eine gesundheitsschädigende Sache, was durch neuere und wissenschaftliche Beweise sehr gestützt ist.

    Giftstoffe ausgeschwemmt werden selbstverständlich keine, zumindest nicht die, die zwischen den Fettzellen sitzen, weil Fettzellen sich keinen Millimeter durch Fasten verändern.. Was da rausgeht ist, Wasser, Muskeln, Wasser und Wasser.. man überlege dass der Körper auch 3 Wochen bei Flüssigkeitsentzug Körperwasser verwerten kann, da bringt ihn eine Woche Fasten nicht zum Fettabbau, der nötig wäre, um an die “Zwischenräume” zu gelangen.

    Nahc vielen sehr schiefgegangenen Fasten/Diät- und sonstigen Versuchen meinerseits, die meine Gesundheit allesamt geschändet haben, kann ich dir nur den Tipp geben, es dir zu sparen😉

    Was wirklich was bringt, wären zB 3-4 Gemüsetage, die zu einer Entsäuerung im Körper führen (und damit das bewirkt, was viele unter “Entschlackung” verstehen).. Wir können uns gern unterhalten drüber wenn du magst🙂

    Auf jeden Fall wünsch ich dir viel Glück egal womit, und vergiss nicht, dass der Körper mitteilt wenn es ihm schlechtgeht (und bei einer ENTGIFTUNG geht es ihm nicht schlecht, auch nicht zwischendurch)..

    Lieben Gruß,
    ich

     
  2. Andrea

    April 25, 2010 at 8:58 pm

    Fragt man zu dem Thema fünf Leute, kriegt man 12-18 Meinungen. Ich habe im Vorfeld sehr viel dazu gelesen, nicht nur die Jubelarien, auch die Kritiker.

    Ich mache das jetzt testweise einfach zuende (sind eh nur noch zwei Tage), bis dahin werde ich hoffentlich nicht meine Gesundheit irreparabel geschädigt haben. Dann sehe ich ja, wie es mir damit geht.

    Hätte ich mich wirklich schlecht gefühlt, dann hätte ich den ganzen Kram bereits abgebrochen. Aber eigentlich geht es mir fast wie immer, nur dass ich zwischenzeitlich ziemlich müde bin (das bin ich aber ohne Fasten auch oft).

    Dass man ohne Sport bei Gewichtsreduktionen jeglicher Art eher Muskelmasse als Fett abbaut, ist mir auch nichts Neues. Darum achte ich ja auch auf Bewegung.

    Mal sehen wie es weitergeht. Hinterher ist man ja immer schlauer. 😉

     
  3. Yaelra

    April 26, 2010 at 7:32 am

    Hast denn dann Blutbild und Fettmessung vorher-nachher gemacht/geplant? Dann wüsstest du genau was es bei dir gemacht hat, ansonsten denk ich kann man das nicht wirklich beurteilen…

    Naja, ich wünsch dir trotzdem Glück😉

     
  4. andrea

    April 26, 2010 at 10:21 pm

    noch zwei tage – das schaffst du!😉 ich bewundere das, habe auch schon oft mit dem gedanken gespielt, aber allein die darmentleerung – nee, das war immer schon der haken an der sache ….

     

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