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Das Kind in dir: Kinder- und Jugendbücher

10 May

Jetzt habe ich fast die sechste Runde von Heunis Blogparade verpennt. Dieses Mal geht es um Kinder- und Jugendbücher.

Das ist in meinem Falle schon wieder eine ziemlich lange Geschichte. Sie fängt damit an, dass ich ein… äh, ziemlich aufgewecktes Kind war. Genaugenommen eine Nervensäge erster Güte. Pausenlos am plappern, ständig irgendwas am Auseinandernehmen, alle paar Minuten mit irgendeinem anderen Blödsinn beschäftigt. Früher zuckte man die Schultern und sagte “Hummeln im Hintern”, heute würde mir vermutlich ein übereifriger Kinderarzt ADHS unterstellen.

Irgendwann im zarten Alter von vier Jahren bemerkte ich jedenfalls, dass diese seltsamen Zeichen, auch als Buchstaben bekannt, aneinandergereiht irgendwie einen Sinn ergeben, wenn man in der Lage ist, diese zu entziffern. Meine Eltern waren froh, endlich etwas gefunden zu haben, womit sie mich länger als zehn Minuten am Stück beschäftigen konnten und haben mich bei meinen Versuchen daher auch nach Kräften unterstützt. Auf diese Weise lernte ich mit vier Jahren lesen und fortan war kein geschriebenes Wort mehr vor mir sicher, egal ob Märchenbuch, Tageszeitung oder Gebrauchsanweisung – letztere beide konnte ich zwar lesen, nur mit dem Verstehen haperte es etwas.

Nach kürzester Zeit hatte ich sämtlichen verfügbaren Lesestoff in unserem Heim verschlungen. Aus purer Notwehr besorgte mir meine Mutter dann einen Bibliotheksausweis und im Alter von fünf Jahren wurde ich auf die Kinderabteilung der Bibliothek losgelassen. Fortan schleppte ich regelmäßig ganze Stapel Bücher nach Hause.

Es dauerte immerhin fast sieben Jahre, dann hatte ich die Kinderabteilung durch. Naja, nicht komplett. Aber ich schätze zu 85-90%. Es gab kaum noch Bücher, die ich nicht gelesen hatte und meistens deswegen, weil sie mich nicht interessierten. Das gab natürlich ein Problem. Ich war zwölf, sah aus wie höchstens zehn und in die Jugendabteilung der Bibliothek durfte man offiziell erst ab 14. Ich musste mich also wie ein Ninja an dem Tisch der Bibliothekarin vorbeischleichen und Bücher von dort ausleihen war auch erstmal gestorben, also musste ich direkt vor Ort lesen. Als ich dann endlich vierzehn war, konnte ich direkt in der Erwachsenenabteilung weitermachen.

Man könnte also sagen, ich war eine Leseratte. Bin ich heute noch, wenn auch weniger extrem. Geblieben ist die Fähigkeit, ausgesprochen schnell zu lesen und teilweise ganze Buchpassagen auswendig zu behalten.

Das frühe Lesenlernen war auch nicht immer positiv. Als ich mit sechs Jahren eingeschult wurde, fiel ich aus sämtlichen Wolken als ich feststellte, dass die anderen Kinder Lesen erst lernen müssen. Ich war davon ausgegangen, das kann man einfach. Genauso wie Laufen. Dass es eine Zeit gab, in der man beides nicht konnte, daran erinnert man sich als Kind nicht wirklich, jedenfalls ich nicht. Die anderen Kinder waren natürlich weniger entzückt, vor allem als es dann an solche Sachen wie Diktate und Aufsätze ging und ich – dank meines umfangreichen Lesestoffs – so gut wie nie Schreibfehler machte. Ich war der Streber vom Dienst und entsprechend beliebt. Mehr als einmal habe ich deswegen Prügel kassiert.

Ich sagte ja… längere Geschichte. Aber es ging ja um Kinder- und Jugendbücher. Da erinnere ich mich an eine ganze Menge. Die Bücher von Otfried Preußler habe ich sehr geliebt. Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst und natürlich Räuber Hotzenplotz. Ebenso mochte ich Der kleine dicke Ritter von Robert Bolt. Und selbstverständlich alles von Astrid Lindgren, insbesondere Pippi Langstrumpf und Die Gebrüder Löwenherz (bis heute eines meiner Lieblingsbücher). Besonders mochte ich auch sämtliche Bücher, die von der Augsburger Puppenkiste verfilmt wurden; da fallen mir zum Beispiel Jim Knopf ein oder auch Kleiner König Kalle Wirsch. Und natürlich Urmel aus dem Eis.

Ein weiteres Lieblingsbuch war Hexen haben kalte Nasen von Jack Sendak und Uri Shulevitz. Seitdem weiß ich, dass Hexen Schwarz tragen müssen; nur ganz kleine Hexen tragen rosa Unterwäsche. Und wie der Titel schon sagt, haben sie immer kalte Nasen. Ich denke, ich bin möglicherweise eine Hexe.

Dank meiner pädagogisch wertvollen Tante (sie ist Lehrerin), bekam ich auch immer schöne Kinderbücher geschenkt, wie beispielsweise Katze mit Hut oder, im Alter von acht Jahren, mein allererstes Kochbuch Küchenkönig bin ich heut, welches immer noch bei mir im Regal steht. Und natürlich Der kleine Vampir. Damals wäre ich ganz gerne Vampir geworden, glaube ich.
Vergessen darf man in dieser Aufzählung auch auf keinen Fall die Bücher von Erich Kästner, wie zum Beispiel Das fliegende Klassenzimmer, Das doppelte Lottchen, Pünktchen und Anton oder Emil und die Detektive. A propos Detektive: Hörspiele kamen bei mir zuhause ja nicht vor, aber die Geschichten mit den Drei Fragezeichen gab es auch als Bücher und die habe ich alle gelesen.

Etwas später kamen dann die klassischen Abenteuergeschichten dazu. Ich habe mich, bei einige Büchern wie der Winnetou Reihe auch mehrfach, durch die kompletten Werke von Karl May gelesen (und kann heute noch den umfangreichen Namen von Hadschi Halef Omar auswendig). Ebensowie durch die meisten Bücher von Jack London, besonders Wolfsblut und Der Lockruf des Goldes. Und selbstverständlich bis heute zwei meiner absoluten Lieblingsbücher von Mark Twain, Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Außerdem ging es damals schon los mit den Sagen und Fantasy. Insbesondere die Artus-Sage und die Nibelungen-Sage habe ich in verschiedenen Versionen gelesen; ungefähr zur selben Zeit stieß ich auch auf einen gewissen J.R.R. Tolkien und ein Buch namens Der kleine Hobbit.

Mit den typischen Mädchenbüchern à la Hanni und Nanni oder Fünf Freunde, beide von Enid Blyton, konnte ich übrigens überhaupt nichts anfangen. Reingeguckt, blöd gefunden, wieder weggelegt. Dafür bekam ich relativ früh eine Stephen King Phase und habe dann Bücher verschlungen, von denen ich regelmäßig nicht einschlafen konnte, wie ES oder Christine.

Das waren dann aber schon nicht mehr wirklich Kinder- und Jugendbücher, darum beende ich diese Aufzählung jetzt mal lieber, bevor ich selbst ein Buch daraus machen könnte.😉

 
3 Comments

Posted by on May 10, 2010 in Bücher, Blog

 

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3 responses to “Das Kind in dir: Kinder- und Jugendbücher

  1. Nadine

    May 11, 2010 at 11:56 am

    Oh ja, die “frühe Stephen-King-Phase” hatte ich auch. Das waren noch Zeiten 😉

     
  2. renate

    May 20, 2010 at 11:11 am

    Wunderbar geschriebener Beitrag!
    Ich war übrigens auch eine Leseratte. Jeden Abend mindestens ein Buch – im Bett. Dabei habe ich immer Äpfel verspeist. Mindestens vier bis fünf, meistens waren es mehr.
    Ich habe auch querbeet gelesen, sämtliche Kinderbücher meiner Zeit, und natürlich war auch Pipi Langstrumpf dabei.

    Liebe Grüße – Renate

     

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