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Der frühe Vogel…

22 May

…fängt den Wurm, sagt der Volksmund. Aber mal ganz ehrlich, wer mag schon Würmer?

Mit dem Thema Vögel und Würmer und vor allem früh beschäftige ich mich schon etwas länger.
Ich bin nämlich eine Eule.
Ich gehöre zu dem Prozentsatz an Menschen, die ohne dass der Wecker klingelt, eher spät aufstehen und auch ebenso spät wieder schlafen gehen. Die Phase, während der ich normalerweise von allein ausgeschlafen, munter und leistungsfähig bin, liegt so ungefähr zwischen neun und vierundzwanzig Uhr. Ich kann völlig problemlos auch abends um zehn noch komplizierte Aufgaben lösen, aber vor zehn Uhr morgens bekomme ich nicht mal Frühstück hinunter.

Im Gegensatz dazu gibt es dann die sogenannten Lerchen; Menschen die morgens um fünf topfit aus dem Bett hüpfen, dafür aber abends um acht schon im Stehen einschlafen könnten. Mein Vater war beispielsweise so einer, was gelegentlich zu putzigen Szenen führte, wenn ich nach Hause kam, als er gerade aufgestanden war.

Dass alle Lebewesen, auch Menschen, einer inneren Uhr folgen, ist ja nichts Neues. Die Wissenschaft, die dieses Phänomen erforscht, ist die Chronobiologie. So weiß man mittlerweile, dass es tatsächlich, genetisch vorgegeben, extreme Morgen- und Abendtypen gibt, sowie verschiedene Mischformen. Oder halt einfach ausgedrückt Eulen und Lerchen.

Kompliziert wird das Ganze allerdings, wenn diese innere Uhr auf äußere Vorgaben trifft. Beispielsweise Arbeits- und Schulzeiten. Während der Pubertät ist das ganz besonders hart, da zu dieser Zeit fast bei allen die innere Uhr auf Eule gestellt ist, worauf die Unterrichtszeiten selbstverständlich keine Rücksicht nehmen.

Ebenso wenig, wie die hierzulande immer noch üblichen Arbeitszeiten.
Von Ausnahmen wie Gleitzeit und Schichtarbeit abgesehen, herrscht ein Verständnis von Arbeitszeit, das noch immer auf die vorindustrielle Agrargesellschaft zurückzuführen ist. Ein Bauer muss nun mal mitten in der Nacht aufstehen um die Kühe zu melken. Aber auch in unserer heutigen Gesellschaft ist der Gedanke noch weit verbreitet, je früher, desto besser. Wer schon morgens um sieben am Schreibtisch sitzt, ist eine fleissige Arbeitsbiene, wer sich um diese Zeit noch im warmen Bettchen herumdreht, ein faules Stück.

Dabei macht es streng logisch gesehen keinen Unterschied, wenn ich acht Stunden produktiv arbeite, ob ich das zwischen sieben und sechzehn Uhr oder zwischen zehn und neunzehn Uhr mache. Es muss lediglich gewährleistet sein, dass es eine Kernzeit gibt, während der man mit Sicherheit andere Menschen bei der Arbeit antreffen kann. Die Realität der vorgegebenen Arbeitszeiten sieht allerdings meistens anders aus, was dazu führt, dass Teile der Bevölkerung Tag für Tag ihre innere Uhr vergewaltigen.

In der Praxis sieht das zum Beispiel für mich so aus: ich bin so ab ca. zehn Uhr munter und in der Lage, sinnvolle Dinge bei der Arbeit zu erledigen. Zu diesem Zeitpunkt sitze ich allerdings schon zwischen zwei und drei Stunden am Schreibtisch. Bezahlte Arbeitszeit, die ich im Wesentlichen damit verbringe, verstohlen zu gähnen, mir noch einen Tee zu machen, irgendwelche möglichst simplen Routinedinge zu erledigen und mich zu bemühen, mir meinen Zustand nicht anmerken zu lassen. Denn – das kann sich vermutlich jeder selbst denken – dann gibt es nur die üblichen dummen Sprüche à la “Du musst mal früher ins Bett gehen!”. Was einen unglaublich sinnvollen Vorschlag darstellt. Gehe ich um acht Uhr ins Bett, liege ich bis ca. 23:00 Uhr wach bis ich einschlafe und bin morgens um sechs immer noch nicht munterer als sonst. Meine innere Uhr ist einfach nicht darauf gestellt. Es wird vermutlich niemanden überraschen, dass mir das im Arbeitsleben schon öfter Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen eingebracht hat.

Geradezu verantwortungslos finde ich ja auch, wenn ich durch meine Arbeitszeiten gezwungen werde, morgens früh mit dem Auto zu fahren. Freiwillig würde ich mich so früh nicht hinters Steuer setzen, genausowenig wie ich unter Alkohol- oder Medikamenteneinfluss fahren würde. Aber gesellschaftlich ist vorgegeben, dass ich Tag für Tag mich und andere Verkehrsteilnehmer auf diese Weise gefährden muss. Keine Ahnung, wie viele Menschen da draussen herumfahren und -laufen, denen es ähnlich geht und die ihr Leben in einer Art Dauer-Jetlag verbringen.

In Dänemark gibt es mittlerweile sogar einen Verein, in dem sich Langschläfer organisieren, um ihre Forderungen bezüglich flexibler Arbeitszeiten durchzusetzen. Bei uns kann man hingegen nur hoffen, auf einen verständnisvollen Arbeitgeber und ebensolche Kollegen zu treffen. Oder sich selbstständig machen.

Ob man ein Morgen- oder Abendtyp ist, kann man übrigens hier testen. Was seid ihr? Eulen oder Lerchen? Und wie kommt ihr im Alltag damit klar?

 
7 Comments

Posted by on May 22, 2010 in Dieses und jenes

 

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7 responses to “Der frühe Vogel…

  1. Fabian

    May 22, 2010 at 1:11 pm

    Wir stehen eigentlich immer, also auch am Wochenende, recht früh auf. Dann hat man auch noch was vom Vormittag. Dafür machen wir eben nicht bis zum nächsten Morgen durch. Grundsätzlich ist das frühe Aufstehen kein Problem. Wenn man aber mit anderen Leuten unterwegs ist, kann es schon passieren, dass man dann früher müde wird als die anderen…🙂

     
  2. Tobias

    May 22, 2010 at 1:18 pm

    Ich bin eine extreme Eule (wenn nicht beeinträchtigt schlafe ich von 3 bis 13h), und hatte in meinem alten Job auch nur Probleme damit.
    Jetzt wo ich in Dänemark wohne (danke für den Tipp mit dem Verein!😉 ) und in Akademia arbeite, ist das kein Problem mehr. Hier schert sich keiner darum wann, wo und wie ich meine Arbeit mache – Hauptsache ich mache sie.

     
  3. Lutz Balschuweit

    May 22, 2010 at 1:22 pm

    Und was sind das für Typen, welche in der Früh schon topfit sind und abends auch bis in die Puppen dabei sind?

    Na?

    Rück raus – wer ist das:mrgreen:

     
  4. Tobias

    May 22, 2010 at 1:23 pm

    Hier ist übrigens der Link zu dem Verein, ich hab den im Spiegel Artikel nicht gefunden: http://www.b-society.org/

     
  5. Andrea

    May 22, 2010 at 1:41 pm

    @Fabian Da habt ihr wirklich Glück gehabt, morgens früh wach ist im Alltag einfacher als abends spät wachbleiben können. Ich mache übrigens auch nicht bis zum nächsten Morgen durch, aber ich könnte vermutlich…

    @Lutz Ich würde in dem Falle spontan auf pre-senile Bettflucht tippen…
    Alte Säcke, die einfach nicht mehr so ein hohes Schlafbedürfnis haben. Aber ich kann mich natürlich auch irren.

    @Tobias Ich glaube, ich komme nach Dänemark. Es ist auf die Dauer wirklich belastend, sich jeden Morgen gewaltsam aus dem Bett zu prügeln.

     
  6. simone

    May 23, 2010 at 1:08 pm

    laut test bin ich eine eule🙂

    aber die schule lässt hindert mich an meiner wahren natur und macht mich zu einer lerche😉

    wochentags muss ich kurz vor sechs aufstehen, aber am wochenende wirds dann auch schon mal 11 uhr ^^

    langschläfer for president😀

     
  7. Monika

    May 23, 2010 at 9:02 pm

    Na, der Focus- Test ist ja nicht gerade überzeugend… “Sind sie ein Abendtyp” als eine Frage von 6 (und die anderen nach der Aufstehzeit etc. sind auch nicht gerade da um geheime Zeit-Vorlieben heruaszufinden), um herauszufinden, was man ist…:-/

    Ansonsten… ich bin klar ein Abendtyp, aber ich mag den Morgen, er ist eine schöne Zeit und ich würde gern mal früh morgens sitzen mit ganz viel Zeit und gemütlich Tee trinken, den Tag noch vor mir.
    Schaff ich aber nie😦

    Aber da ich zuhaus arbeite, muss ich nicht früh aufstehen, ausser wenn ich Termine habe.

    Aber spät arbeiten ist auch nicht unbedingt immer das Beste, aber besser als früh😀

     

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