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Besuch in Bürokratia

20 Jul

Davon dass ich jetzt ab August wieder einen Job habe, ändert sich natürlich die Tatsache nicht, dass ich zuletzt im Juni Geld bekommen habe und logischerweise erst Anfang September wieder Gehalt bekommen werde. Folglich war heute noch einmal ein Besuch im Arbeitsamt angesagt, um noch die letzten fehlenden Formulare und Unterlagen für meinen HartzIV-Antrag abzuliefern.

Ich hatte einen Termin direkt morgens um 8:00 Uhr, wenn sie aufmachen.
Üblicherweise sieht das dann so aus, dass sämtliche Türen zu diesem Zeitpunkt noch verschlossen sind und sich, je nach Tag, so ungefähr 20-40 Leute im Treppenhaus stapeln. Punkt acht Uhr, manchmal auch ein paar Minuten später (niemals jedoch eine Minute zu früh!), werden dann die Türen geöffnet und die Wartenden strömen – in der ungefähren Reihenfolge ihres Eintreffens – in Richtung des Anmeldetresens. Auch wenn man einen Termin hat, muss man ja trotzdem erst einmal vorwarnen, dass man jetzt da ist. Am Tresen steht dann also eine etwas längere Menschenschlange und wird von der Dame am Empfang langsam abgearbeitet. Je nachdem wie früh man da war, steht man folglich auch noch mal 10-15 Minuten in der Schlange. Danach darf man dann vor dem Zimmer des zuständigen Sachbearbeiters Platz nehmen und warten, dass dieser Zeit hat.

Zum Glück sind die Sachbearbeiter hier wenigstens nett und freundlich, wenn auch nicht immer umfassend informiert bis teilweise völlig ahnungslos. Ich glaube, die werden auch nur angelernt…
Der eigentliche Antrag war kein Problem, da fehlten ja nur noch ein paar Unterlagen, die ich jetzt abliefern wollte. Allerdings hatte ich noch ein paar Fragen, meinen Umzug und die doppelte Haushaltsführung in den nächsten drei Monaten betreffend. Und da wurde es dann wieder ein bisschen chaotisch. So war  Frau H., die Sachbearbeiterin, beispielsweise felsenfest davon überzeugt, dass ich die Kosten für den Umzug nach Berlin nur dann erstattet bekommen würde, wenn meine dortige, neue Wohnung (im krassen Gegensatz übrigens zu meiner jetzigen) den Kriterien der ARGE entspricht. Also eine billige, winzige Wohnung in irgendeinem Sozialbaughetto. Meinen Hinweis, dass ich doch zu diesem Zeitpunkt gar keine Lebenshaltungskosten mehr von ihrem Verein beziehen, meine Miete und alles andere vollumfänglich mit meinem Gehalt zahlen würde und dafür verdammt nochmal das Recht hätte, selbst zu entscheiden, wie und wo ich wohnen möchte, wollte sie nicht gelten lassen. Dann gäbe es halt kein Geld vom Arbeitsamt für den Umzug.

Völliger Quark natürlich!

Um das genau herauszufinden, verwies sie mich an eine Kollegin der Leistungsabteilung, nennen wir sie einfach mal Frau M.. Ich also wieder raus, ab in die Warteschlange (25 Leute vor mir), zehn Minuten langsam Richtung Tresen vorgerückt, schliesslich dann dort mitgeteilt, die Frau H. hätte mich an die Frau M. verwiesen. Zum entsprechenden Zimmer geschickt worden und dort nochmal zehn Minuten gewartet. Frau M. begrüßte mich mit den Worten “Ich glaube, bei mir sind Sie falsch!” Ich schilderte ihr, weswegen man mich zu ihr geschickt hatte und tatsächlich, sie hatte Recht. “Da müssen Sie zu ihrer Vermittlerin, das ist die Frau W.”

Ich also wieder raus, ab in die Warteschlange (20 Leute vor mir), nach nur sieben Minuten sah ich wieder in das vertraute Gesicht der Dame hinter dem Tresen, der ich mitteilte, dass ich nunmehr zu Frau W. müsste. Ich glaube sie sah auch die Ironie der ganzen Sache. Zum Glück habe ich ja sonst nichts zu tun. Also von ihr wieder zu einem anderen Zimmer geschickt worden. Wieder einige Minuten Warten, kennen wir ja mittlerweile. Dann wurde ich aufgerufen, aber von einer ganz anderen Mitarbeiterin. Die Frau W. sei erst nächste Woche wieder da, die habe Urlaub.
Ah ja. Wieso weiss sowas am Empfang keiner?

Zum Glück konnte ich dort dann endlich Antworten auf meine Fragen bekommen. Ich kann die Übernahme meiner Umzugskosten beantragen, ebenso wie Beihilfen zur doppelten Haushaltsführung für maximal sechs Monate und das Arbeitsamt schreibt mir selbstverständlich nicht vor, wie meine künftige Wohnung auszusehen hat, solange ich sie selbst bezahle. Natürlich habe ich wieder kiloweise Antragsformulare mitbekommen, aber das ist ja ganz normal. In deutschen Ämtern werden ja jeden Tag ganze Wälder beerdigt.

Nach nur zwei Stunden hatte ich die Prozedur dann endlich hinter mir. Insgesamt fühlte ich mich die ganze Zeit stark an das folgende Video erinnert. Nächstes Mal nehme ich auch meinen Zaubertrank mit…

 
5 Comments

Posted by on July 20, 2010 in Dieses und jenes

 

Tags:

5 responses to “Besuch in Bürokratia

  1. Ivi

    July 20, 2010 at 1:08 pm

    Ich fühle mit dir … dieser Videoausschnitt ist glaube ich einer meiner Lieblingsstellen in den Filmen, einfach genial😉 (wenn man nicht selbst in diesem verrückten Hausgefangen ist)

     
  2. Tobias

    July 20, 2010 at 2:08 pm

    Hättest Du nicht den Umzug auch ganz einfach durch den Lohnsteuerjahresausgleich wieder rein holen können?

     
  3. Andrea

    July 20, 2010 at 3:35 pm

    Tobias, das Problem ist nicht die Kosten wieder reinzuholen, sondern das Geld überhaupt erstmal zu haben.

    Nach mehr als einem Jahr Arbeitslosigkeit plus der Tatsache, dass ich seit sechs Wochen kein Geld mehr bekomme, die Kosten aber unverändert weiterlaufen, kann ich das nicht wirklich auslegen. Zumal dann ja noch ein paar andere Kleinigkeiten wie diverse Bahnfahrten, Mietkaution etc. anstehen.

     
  4. renate

    July 22, 2010 at 3:30 pm

    Dein Erlebnis erinnert mich irgendwie an den “Buchbinder Wanninger”….

     
    • Andrea

      July 22, 2010 at 3:40 pm

      Stimmt! Der Buchbinder Wanninger, den hatte ich schon total vergessen!
      Man sieht, Bürokratie hat eine lange, glorreiche Tradition.

       

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