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Alles ist anders, Teil 8

29 Jun

House hunting oder Wohnungssuche auf englisch…

Ich hatte ja als ich die Zusage für den Job hier in Manchester bekam stolze 3 Tage Zeit, hier irgendein Dach über dem Kopf aufzutreiben, meinen ganzen Krempel in ein eilends gemietetes Fahrzeug zu werfen und hier in den Norden zu gondeln (Linksverkehr rockt!). Das kleine gemietete Zimmer, dass ich dann auf die Schnelle gefunden hatte, konnte wirklich nur eine Notlösung sein. Aus Gründen.

Jedenfalls habe ich dann ein paar Wochen Wohnungsanzeigen studiert und bin jedes Wochenende durch die Gegend gefahren um mir Wohnungen anzusehen. Dabei habe ich neben Ortskenntnis auch allerlei interessante Dinge hinzugelernt.

Zunächst mal ist es hierzulande verbreiteter, in einem Haus statt in einer Wohnung zu wohnen (ich habe tatsächlich auch kleine Häuser für 1-2 Personen gesehen) und eigentlich wohnt man auch nur zur Miete, solange man sich noch nicht ein Haus gekauft hat. Im Gegensatz zu Deutschland sind in England Mietwohnungen häufig möbliert, wobei da der landlord (Vermieter) meistens flexibel ist und die Qualität der bereitgestellten Möbel von Sperrmüll über Ikea bis hin zu richtig gutem Mobiliar geht, je nachdem.

Die Größe der Wohnung wird in Anzahl der bedrooms angegeben, eine 1 bedroom Wohnung hat also ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. In seltenen Fällen steht auch eine Quadratmeterangabe dabei, aber wirklich nur seltenst, meistens ist die Größe der Wohnung eine Überraschung. Eine Einbauküche ist eigentlich immer dabei und meistens auch die Waschmaschine. Häufig auch allerlei andere Gerätschaften bis hin zum Staubsauger.

Die (wochen- oder monatsweise) angegebene Miete ist tatsächlich nur die nackte Miete, ohne alles. Dazu kommen dann noch Gas (soweit vorhanden, meistens ja) Wasser und Strom sowie Council Tax. Diese Gemeindesteuer wird jährlich fällig und richtet sich in der Höhe nach dem Wohnbezirk und der genauen Adresse.

Nach dem theoretischen Crashkurs was Wohnungen betrifft, habe ich dann also auf Wohnungsbesichtigungen gelernt wie sowas in der Praxis aussieht. Das steht und fällt schon mit der Auswahl der Wohngegend. Als ich hier in Wythenshawe das Zimmer gemietet habe, wurde ich schon leicht stutzig, als ich in einer Anzeige las ‘es gäbe gar nicht so viel Kriminalität in dieser Gegend wie immer behauptet wird’. Aha. Soso.

Sagen wir mal so, von hier sind es nur 10 Minuten bis zur Arbeit, aber ansonsten möchte ich hier nicht tot über dem Zaun hängen. Es musste also erstmal eine nettere Gegend her. Die angesagten Wohngegenden Didsbury oder Chorlton beispielsweise, sind so das hiesige Äquivalent zu Friedrichshain oder Kreuzberg. Man zahlt für die Lage,kriegt aber für sein Geld meist eine überteuerte Bruchbude. Wenn ich eine Wohnung betrete und meine Nase mir sofort Schimmel meldet, der Teppich eine undefinierbare Farbe hat und seltsame Flecken auf dem Sofa sind.. naja. War nicht so toll.

Auf Anraten meiner Kollegen habe ich mich dann in einer anderen Gegend von Manchester umgesehen – und da war es dann total schön! Jetzt habe ich eine richtig niedliche Dachwohnung gefunden, in einem schönen alten viktorianischen Haus, hübsch eingerichtet und – ganz wichtig – mit ganz viel zusätzlichem Stauraum, weil ich noch einen Dachboden UND Keller dabei habe. Sowas gibt es normalerweise hier nämlich gar nicht, also Dachböden schon, wenn man ein Haus hat, aber Keller sind eher ungewöhnlich.

Die Prozedur mit dem Mietvertrag war dann auch noch mal sehr interessant. Der Besitzer der Wohnung hat einen property agent mit der Vermietung beauftragt. Die haben mir die Wohnung gezeigt. Als ich sie haben wollte, haben sie dann eine spezielle Agentur eingeschaltet, die einen Mieter-Check durchführt. Also nicht wie bei uns, Schufa-Auskunft und Gehaltsnachweise mitbringen, nee, die wollen Telefonnummern und Adressen haben und dann klappern sie ehemalige Vermieter und den Arbeitgeber ab und fragen nach.

Lustig war übrigens, dass sie auch nach meinem ‘next of kin‘ also meinem nächsten Verwandten gefragt haben (für den Fall dass ich tot umkippe und sie irgendwem Bescheid sagen müssen) – das Internetformular, in dem sie alles abgefragt haben, liess aber nur die Angabe von Adressen in UK zu! Auf mein Nachfragen sagte man mir dann, ich könnte auch einen Freund eintragen. Ich habe dann also mal eben auf Facebook gefragt, wer Lust hätte, mein next of kin zu werden und nachdem geklärt war, dass es bei mir nix zu erben gibt, habe ich dann meinen Freund Richard angegeben.

Nach einer Woche haben sie sich dann wieder gemeldet, ich hatte die Zusage, habe den Mietvertrag gestern zugeschickt bekommen, meine Miete und deposit (Mietsicherheit) bezahlt und am Sonntag kriege ich dann die Schlüssel und kann einziehen!

Ich freu mich!

 

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4 responses to “Alles ist anders, Teil 8

  1. Sari

    June 30, 2012 at 4:50 am

    Du MUSST viel, viel, viiiiiiiiiel mehr Fotos zeigen!! Ich bin sehr gespannt auf Dein kleines Reich🙂

     
  2. rr

    June 30, 2012 at 7:27 am

    Klingt total großartig, wie viele Zimmer hast Du denn dann jetzt und was ist mit den Kätzchen?

     
  3. Andrea

    June 30, 2012 at 7:51 am

    @Sari – Fotos kommen wenn ich denn drin wohne, ich war ja auch erst einmal da.🙂
    @rr – Ich habe eine Zweizimmerwohnung jetzt (1 bedroom flat). Mit Kätzchen wird warscheinlich nichts, im MIetvertrag steht keine Haustiere erlaubt, ausser wenn der Vermieter zustimmt und laut dem Agenten erlaubt das Management des Hauses generell keine Haustiere. Ich frage den Vermieter nächste Woche noch mal.
    Wäre aber schade,weil, sind niedliche kleine Babykätzchen und sie brauchen ein Zuhause…

     
  4. Vex

    June 30, 2012 at 11:45 am

    “landlords”

    Rawwr, da geht’s ja noch ziemlich feudal zu…

     

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