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Alle können nähen, nur ich nicht.

19 Aug

Meine Mutter hatte natürlich, wie sich das für eine gute Hausfrau gehört, eine Nähmaschine.
Das ist ein ziemlich monströses Gerät, ich würde es jetzt mal spontan auf späte 50er, frühe 60er Jahre schätzen. Darauf hat sie uns früher ein paarmal Kleidungsstücke genäht, die ausnahmslos ziemlich grauenhaft waren und alle ganz zufällig schnell kaputt gingen.

Im Rahmen meiner umfassenden Erziehung wurde mir dann auch mal beigebracht, wie diese Nähmaschine funktioniert und ich habe sogar unter Anleitung so etwas ähnliches wie eine Schlafanzughose genäht. Ich erinnere mich noch, die Maschine war schwer und unförmig und wenn man irgend etwas daran machen wollte, war das immer unglaublich kompliziert. Nachdem ich mir dann mal die Nadel mit Schmackes mehrfach in die Hand gestochen hatte, war mir die Lust auf Nähen mit der Maschine irgendwie vergangen.

Ein paar Jahre später… Mittlerweile sind 80% meiner Kleidungsstücke second hand aus dem Charity Shop, was bedeutet dass sie manchmal auch nicht hundertprozentig genau passen. Und andere Sachen, die ich gerne anziehen würde, gibt es im Laden nicht zu kaufen, die kann man nur selbst nähen. Zwar habe ich in meinem Bekanntenkreis mittlerweile ein Dutzend grossartiger Schneiderinnen (zum Beispiel Wise Rabbit, Bridal Originals, Blue Lady Couture, Ava’s Apparel und andere), die eigentlich genau die Sachen anfertigen, die ich mag.

Aber wäre es nicht unglaublich praktisch, wenn man so etwas auch selbst könnte? Also vielleicht nicht gleich die ganz grossen Roben aus etlichen Quadratmetern Stoff, aber vielleicht mal so einen Rock selbst nähen? Oder Kleidung passend machen?

Auf meiner Liste (dazu gibt es demnächst noch einen Blogeintrag) stand daher unter anderem “Nähen lernen!”. Und das habe ich dann gestern in Angriff genommen. Ich war bei einem Nähkurs vom Ministry of Craft mit dem schönen Namen “Conquer your sewing machine!“. Das haben wir dann also gestern nachmittag drei Stunden lang getan, unsere Nähmaschinen erobert. Im Keller vom Fred Aldous Craftshop, wieder so ein Laden, den ich vorher noch nicht kannte, wo ich aber theoretisch ganze Monatsgehälter hintragen könnte. Wenn man gerne bastelt und selbermacht, das Paradies. Da saßen wir dann also mit neun Mädels unterschiedlichen Alters um einen Tisch, jede eine Nähmaschine, ein Nähkästchen und etwas Stoff vor sich und bekamen eine Einweisung, wie das denn nun alles funktioniert.

Es hört sich jetzt vielleicht pathetisch an aber: es war eine Offenbarung!
Das ist ja überhaupt gar nicht so kompliziert! Faden reinbasteln, richtigen Stich auswählen, losnähen. Irgendwelche Sachen an der Maschine umstellen, Nadel oder Fuss auswechseln, alles gar kein Problem.
Easy peasy!

Ich war am Anfang noch etwas nervös, es war ja nicht nur etwas ziemlich neues für mich, die Anleitung war auch noch auf Englisch (und ich gebe ganz offen zu, gelegentlich steh auch ich da manchmal auf dem Schlauch). Aber alles gar kein Problem. Allerdings muss ich jetzt mal ein bisschen Vokabular nachgucken, ich habe nämlich keine Ahnung, was z.B. “bobbin” auf Deutsch heisst…

Der Beweis: ich kann tatsächlich nähen, ganz unten die allererste Naht (und genau auf der Linie!) darüber dann die nächsten beiden Versuche. Ich wurde auch sehr gelobt in dem Kurs; ich bin halt ein Streber, ich kann nichts dafür! Es war aber wirklich alles ganz einfach.

Nachdem ich jetzt also weiss, wie das funktioniert, ist der nächste Schritt also: Nähmaschine besorgen. Das wird nochmal ein Spass, denn das Modell, das ich gerne hätte, kostet flockige £ 300. Dafür ist es aber auch eine gute Maschine. Mal sehen, vielleicht finde ich sie ja auch irgendwo günstiger.

Und dann wird geübt…

Nächster Schritt: Schnittmuster verstehen! Da kommt noch einiges auf mich zu, irgendwann wird es bestimmt noch kompliziert. Aber die bieten dort ja noch mehr Kurse an!

 
3 Comments

Posted by on August 19, 2012 in Selbermachen

 

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3 responses to “Alle können nähen, nur ich nicht.

  1. Sari

    August 19, 2012 at 12:17 pm

    Duuuu Streberin!!!!

    Aber ja, ich war auch überrascht, wie gut es dann doch geht, wenn es einmal Klick im Kopf gemacht hat!

     
  2. Vex

    August 19, 2012 at 1:30 pm

    Im Rahmen einer Messe an meiner HS fand ein Workshop zum Nähen mit der Nähmaschine statt. An dem ich auch teilnahm, natürlich. Und, ja, du hast recht, es war wirklich soetwas wie eine Offenbarung, als ich das Monster von einer Industrienähmaschine bändigte und…. mir ein Smartphonetäschchen zusammennähte.😀

     
  3. Andrea

    August 20, 2012 at 12:08 am

    Ich bin auch ziemlich aufgekratzt…. ich habe doch ganz schön ambitionierte Pläne, mit diesen viktorianischen Schnittmustern etc. Aber meine Freundin Abigail (Wise Rabbit, siehe oben) hat schon gesagt, dass sie mir hilft und Sachen erklärt; ich habe ständig so viele Ideen im Kopf, es wäre toll das wirklich umsetzen zu können.
    Zwei Kleider die Abigail angefertigt hat (eines davon speziell für mich), gibt es auch in ca. drei Wochen auf dem Blog zu sehen, allerdings nicht früher, weil sie für eine Convention sind und das soll ja eine Überraschung werden…

     

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